DAS DSCHUNGELBUCH

  • Axel Heyer
 

Achtung: Dieses Beipspiel bezieht sich auf die Zeit vor dem Vertrag von Lissabon, wird aber ähnlich auch in Zukunft angewendet

Wie entsteht eine Richtlinie?

Die Richtlinie ist das wichtigste Mittel der EU-Gesetzgebung. Eine Richtlinie ist für jeden Mitgliedstaat, an den sie gerichtet ist (in der Regel: alle 25), verbindlich. Allerdings bleibt den einzelnen Staaten eine gewisse Freiheit, in welcher genauen Form sie die Vorgaben der Richtlinie in ihr nationales Gesetz ummünzen.

Die Frage, wie eine Richtlinie entsteht, wollen wir einmal so genau wie möglich beantworten, weil es darum geht, wie konkret diese Gesetze ausgehandelt werden, nach denen sich 450 Mio. Europäer zu halten haben.

Deshalb haben wir uns an einen Europaabgeordneten gewandt, damit er uns an einem konkreten Beispiel erklärt, wie es funktioniert. Norbert Glante, SPD-Abgeordneter aus Brandenburg war 2002/04 Berichterstatter für die Richtlinie zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Von der war in der Presse nicht viel zu lesen, aber das ändert gar nichts daran, dass man an ihr den praktischen Ablauf, wie Glante ihn zwischen Juli 2002 und Januar 2004 erlebt hat, gut darstellen kann. Die Perspektive ist dabei die des Parlaments. Dass auf der anderen Seite auch der Ministerrat auch erst nach einem internen Meinungsbildungsprozess zu seinem Schlussfolgerungen kommt, sei hier erwähnt; dieser Prozess aber ist, sofern er überhaupt einsehbar ist, ein Kapitel für sich.

Es gibt eine Menge über die Entstehung einer Richtlinie zu erzählen, aber weil nicht jeder das gleiche Wissensbedürfnis hat, führen wir hiermit bei europa-digital etwas Neues ein: Die dreifarbige Information. Sie haben die Wahl zwischen drei "Schwierigkeitsgraden" - je nachdem, wie genau Sie es wissen wollen. Unten haben wir den gesamten Ablauf vom 1. Vorschlag bis zum Inkrafttreten aufgelistet. Jede Station ist verlinkt mit einer ausführlichen Erklärung. Probieren Sie es aus!

Basiswissen: Die wichtigsten Schritte
Wissen für Fortgeschrittene: Was einfach dazugehört
Der Insiderblick: So läuft es hinter den Kulissen

 

Der Start
22.7. Die Kommission macht einen Richtlinienvorschlag [mehr]
  Wie die Kommission klärt, nach welcher Verfahrensart der Vorschlag entschieden wird [mehr]
Organisatorische Vorbereitung der 1. Lesung
Juli Im EP wird festgelegt, welcher Ausschuss sich des Vorschlags annimmt [mehr]
  Wie das EP klärt, welche Fraktion den Berichterstatter stellt [mehr]
3.9. Wahl des Berichterstatters im federführenden Ausschuss [mehr]
  Warum die Wahl des Berichterstatters schon Weichen stellen kann [mehr]
Die inhaltliche Arbeit beginnt
Sept. / Okt. Zeit der Analyse, der Gespräche mit den Interessenvertretern [mehr]
  Wie Interessenvertreter Einfluss nehmen wollen [mehr]
8.10. Erste Aussprache im Ausschuss; erste Einschätzung des Berichterstatters [mehr]
12.11. Der Berichtsentwurf ist fertig und geht in die Übersetzung [mehr]
Die erste Verhandlungsphase
9.1. Expertenhearing zum Thema im EP [mehr]
Jan. / Feb. Abstimmung der Stellungnahme in den begleitenden Ausschüssen [mehr]
27.1. Weitere Aussprache im Ausschuss und Festlegung einer Deadline für Änderungsanträge [mehr]
  Wie die Suche nach einem Kompromiss innerhalb des Ausschusses abläuft [mehr]
25.3. Aussprache über die Änderungsanträge im Ausschuss [mehr]
10.4. Der Ausschuss der Regionen gibt eine Stellungnahme ab [mehr]
Vom Ausschuss ins Plenum
23.4. Im Ausschuss wird über den Bericht und die Änderungsanträge abgestimmt [mehr]
12.5. Debatte zum Bericht des Ausschusses im Plenum des EP [mehr]
13.5. Abstimmung zum Bericht des Ausschusses im Plenum des EP [mehr]
  Was sich rund um die Abstimmung im Plenum noch alles ändern kann [mehr]
Vom EP zu Rat und Kommission
14.5. Weiterleitung des Berichts des EP an Kommission und Rat [mehr]
23.7. Die Kommission legt einen modifizierten Vorschlag vor [mehr]
23.7. Der Rat legt seinen 'Gemeinsamen Standpunkt' vor [mehr]
  Was passiert, wenn der Rat keine Einwände hätte [mehr]
Auf in die 2. Lesung
24.9. Die Dreimonatsfrist für die 2. Lesung beginnt [mehr]
1.10. Erste Einschätzung und strategische Überlegungen für die 2. Lesung im Ausschuss [mehr]
  Wie der Ausschuss durch seine Strategie das Endergebnis beeinflussen will [mehr]
20.10. Zweite Lesung im Ausschuss [mehr]
Der finale Verhandlungspoker
10.12. Im informellen Trilog verständigen sich Rat und Parlament auf Kompromissänderungen [mehr]
  Wie das Parlament mit dem Rat verhandelt [mehr]
15.12. Abstimmung über den Kompromissentwurf auf einer Sondersitzung des Ausschusses [mehr]
17./18.12. Debatte und Abstimmung zum Bericht des Ausschusses im Plenum des EP [mehr]
Vom EP wieder zum Rat
19.12. Weiterleitung des Richtlinienentwurfs an den Rat [mehr]
27.1. Der Rat beschließt die Änderungen zum Gemeinsamen Standpunkt - das Gesetzgebungsverfahren ist beendet! [mehr]
21.2. Die Richtlinie tritt am Tage ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft [mehr]
  Was passiert wäre, wenn man sich nicht geeinigt hätte [mehr]
  Abspann [mehr]

 Erstveröffentlichung am 27.9.2004

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