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EUROPA Kreuz & Quer

Tonnenschwere Versprechen für Europa

Rayna Breuer, 5. November 2009

Ein Name und ein Versprechen für die Ewigkeit. Eine gemeinsame Vision für Europa entsteht vor der Bochumer Christuskirche. Jochen Gerz, Künstler und Ideengeber, fragt die Bürger nach ihrem Versprechen für Europa.

Der „Platz des europäischen Versprechens“ entsteht als Beitrag zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Der Platz dokumentiert nicht nur den Dank für Europa, sondern auch das Gegengeschenk an Europa, sagt der international renommierte Konzeptkünstler und Ideengeber des Projekts Jochen Gerz. Jeder ist aufgefordert, sein individuelles Versprechen an Europa abzugeben und dieses mit dem Eintrag seines Namens auf dem „Platz des europäischen Versprechens“ zu besiegeln.

Ein Versprechen für die Ewigkeit

Die erste Platte mit 600 Namen ist bereits im Boden der Turmkapelle der Christuskirche eingelassen worden. Die restlichen Platten werden nach einer Umgestaltung des Platzes vor der Kirche in diesen integriert. Die Namensplatten werden aus schwarzem Basalt hergestellt und messen jeweils 3,80 Meter mal 5,40 Meter bei einer Stärke von 12 bis 15 Zentimetern. Jede bringt ein Gewicht von ca. vier Tonnen auf die Waage. Soviel wiegt das Versprechen für Europa.

Die Herstellung der einzelnen Platten ist ein aufwendiger Prozess, der jenseits der Grenzen Europas seinen Anfang hat: In einem Steinbruch in Armenien werden in 2000 Metern Höhe große Blöcke des Basaltlava-Gesteins aus einem Fels gebrochen, mit mobilen Seilsägen zugeschnitten und dann per Lkw nach Deutschland transportiert. Hier werden die schweren Platten vom Stuttgarter Steinmetz Gustav Treulieb speziell bearbeitet.

Per Sandstrahl wird jeder Name computergesteuert einen ganzen Zentimeter tief in den massiven Stein eingraviert. Anschließend wird die Platte mit weißem Epoxidharz bestrichen und per Hand geschliffen. Neun Tage Handarbeit sind insgesamt für die Fertigstellung einer einzigen Namensplatte erforderlich. Immerhin garantiert diese mühsame Prozedur, dass die Versprechen der Europäer für die Ewigkeit erhalten bleiben: Weder das Fußtreten der Touristen noch die frostigen Wintertage können die Idee für Europa verblassen lassen.

Europa ist das, was wir daraus machen

Jedes Versprechen ist unausgesprochen, unsichtbar, unhörbar, denn nur die Namen sind auf den Basaltplatten zu finden. Die Teilnahme alleine ist die Aussage, behauptet der Künstler und Ideengeber Jochen Gerz. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein sehr persönliches Versprechen an Europa, das durch die Biografie jedes Einzelnen lebt.

Die Namensliste ist als Antwort auf die bereits vorhandenen zwei Listen in der Christuskirche zu verstehen. Die erste Liste, ein 75 Jahre altes Mosaik an den beiden Innenwänden der Turmhalle, nennt die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Bochumer. Die zweite Liste, ein Vorzeichen der Vergeltung und Rache, geht zurück auf das Jahr 1931. Sie zählt 28 „Feindstaaten Deutschlands“ auf und sagt somit die späteren Allianzen im Zweiten Weltkrieg voraus.

Erinnern die ersten zwei Listen an die Verwüstung Europas durch die zwei Weltkriege, so steht die aktuelle Liste, die „Liste der Lebenden“, als Garant für den Erhalt einer friedlichen und demokratischen Entwicklung Europas. Sie ist eine Mahnung an uns und an zukünftige Generationen, mehr Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen und symbolisiert ein gemeinsames Versprechen all jener Menschen, die an der demokratischen Zukunft Europas arbeiten werden.

Während für die Einen das Versprechen für immer geheim bleiben wird, verraten andere Bürger ihre Versprechen auf der Homepage des Projekts. Sie alle stehen unter dem Motto Verständnis und Toleranz. Bei mittlerweile rund 12 000 abgegebenen Versprechen geben sie jedoch nur einen kleinen Ausschnitt der Meinungen wieder. Vielleicht versprechen ja auch einige Kritiker der EU die Stärkung des Nationalstaats, wer weiß...

Und wie lautet Ihr Versprechen für Europa?

Die Teilnahme ist kostenlos und auch über das Internet möglich. Mehr Informationen über das Projekt finden Sie auf der Homepage.

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